Lehrkräfte und ein Radiocoach berichten von ihren Erfahrungen mit dem Projekt "München hören"

Johannes Roßteuscher: Mittelschule am Gotzinger Platz in Sendling

Eva Obermeier: Grundschule an der Markgrafenstraße in Trudering

Christine Vent: Grundschule am Schubinweg in Lochhausen

Michael Kunze: Städtische Carl-Spitzweg-Realschule in Allach Untermenzing

Heidemarie Valentiner: Städtische Riemerschmid-Wirtschaftsschule in der Altstadt


Mittelschule am Gotzinger Platz, Sendling

Das Arbeiten mit den Kindern und Lehrerinnen der Mittelschule am Gotzinger Platz war ein besonderes Vergnügen. Die Kinder waren sehr nett, witzig, originell und motiviert. Darüber hinaus außergewöhnlich konzentriert und ausdauernd. Wenn wir gemeinsam gearbeitet haben, wurde wirklich gearbeitet. Die Kinder haben alle Vorschläge umgesetzt, selbst viel eingebracht, waren manchmal kaum zu bremsen, mussten aber nie angeschubst oder diszipliniert werden.

Besonders auffällig war das bei den gemeinsamen Schneideterminen in der großen Gruppe. Normalerweise muss man die Gruppe sofort teilen und die Hälfte außerhalb des Studios beschäftigen. Währenddessen arbeitet die zweite Hälfte 30 bis 45 Minuten einigermaßen mit, bevor die Konzentration stark nachlässt.

Bei den Kindern der Gotzinger Schule war das anders: Sie waren immer bei der Sache, wollten genau wissen, was passiert. Und sie haben, so weit ich das beurteilen kann, auch ziemlich viel gelernt.

Wenn die Kinder selbst Texte gesprochen haben, wurde so lange weitergemacht, bis alle zufrieden waren, und das ohne erkennbare Ermüdungserscheinungen.

Die beiden Lehrerinnen, Barbara Reuther und Diana Templin, hatten die Kinder stets – im positiven Sinne – vorbildlich im Griff. Sie hatten oft mehr Ideen als wir Mediencoaches, schafften es, dass alle mitmachten, auch die Kinder aus den Ü-Klassen, die am Anfang kaum  Deutsch konnten. Vorschläge oder Bitten von uns wurden innerhalb weniger Tage umgesetzt. Bei anderen Schulen dauert es meistens viel länger. Termine zu finden, an denen alle Zeit hatten, war nie ein Problem.

Von Anfang an waren die Lehrerinnen der Meinung, dass wir nur zwei Themen bearbeiten sollten. Das erschien auch mir sehr vernünftig, weil manche Schüler(in), wie gesagt, erst seit kurzem in Deutschland sind. Außerdem war ursprünglich vorgesehen, auch behinderte Schülerinnen und Schüler mit in die Gruppe zu nehmen. Also konnten wir uns auf die beiden Themen richtig konzentrieren und die Kinder verloren nie den Überblick.

Im Nachhinein sehe ich diese Entscheidung gespalten: Ich finde immer noch, dass es vernünftig war, sich nur zwei Themen vorzunehmen. Gleichzeitig denke ich, dass wir mit dieser Gruppe und den extrem engagierten Lehrerinnen auch noch einen oder zwei Beiträge mehr geschafft hätten.

Mein Fazit: Die Arbeit mit den Lehrerinnen und Kindern der Gotzinger Schule hat mehr als Spaß gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, dass alle Schülerinnen und Schüler sowie die beiden Lehrerinnen in jeder Minute gern mitgemacht haben, dass alle Beteiligten das München-Hören-Projekt wirklich zu schätzen wussten und die Arbeit daran toll fanden.

 

Johannes Roßteuscher, Radiocoach

 

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Grundschule an der Markgrafenstraße, Trudering

Anfangs nahmen an der Arbeitsgemeinschaft (AG) neun Schüler teil. Am Schluss engagierten sich noch sechs Kinder. Die AG bestand aus Dritt- und Viertklässlern und fand das ganze Schuljahr über einmal wöchentlich eine Schulstunde lang jeweils von 14.00 bis 14.45 Uhr statt. Bei Interviewterminen, Besuchen des Coaches, dem Studiotermin u.ä. verlängerte sich diese „Wochenarbeitszeit“ jeweils den Erfordernissen entsprechend. Mehr Zeit wäre schön gewesen.

Jeder wird gebraucht

Der Erfolg des „Hörclubs“ bzw. die Qualität der Beiträge für das Projekt steht und fällt mit der Motivation der Kinder wie auch mit deren Fähigkeiten und Fertigkeiten. Im Laufe des Projekts kristallisierten sich bei den Kindern verschiedene Neigungen – aber auch Begabungen – heraus. Der eine fand kurze, treffende Interviewfragen, der andere eignete sich mit großem Fleiß die dafür nötigen Hintergrundinformationen an, ein weiterer war gut im Geräusche machen, aufnehmen, hören o.ä. Ein Projekt wie dieses zum Hören und „Hören-Machen“ verlangte den Kindern eine Vielzahl von Qualifikationen ab, die manch ein Kind überforderte und manch anderes anspornte. Manch eines hatte „Superstar“ - Formate vor Augen, gab dann aber bei Anstrengungen schnell auf.

Themensuche

Die Themen fanden sich in Trudering nicht so leicht wie beispielsweise in einer Schule, die in einem innenstädtischen Sprengel liegt. Aber selbstverständlich hat auch Trudering viele Orte und interessante Begebenheiten zu bieten. Nach anfänglichem Herantasten, Einlesen und Besprechen der Ideen der Schülerinnen und Schüler war auch schon die Auftaktveranstaltung des BR mit Präsentation der Themen in die Nähe gerückt. Deshalb galt es, die dafür nötigen Themen zu finden. Hier half der Lehrplan weiter – heimat- und sachunterrichtliche Themen sollten es werden. Jetzt begaben sich die Kinder mit Büchern und Internetausdrucken auf die Suche und fanden zwei spannende Themen. Die beiden anderen Themen ergaben sich aus der Beschäftigung mit unterschiedlichen Radioformaten: Ein Interview über Trudering und ein Geräusche- und Fragerätsel entstanden mit viel Eigeninitiative der Kinder. Sie hatten für ihre Aufnahmen und schriftlichen Aufzeichnungen immer wieder Verbesserungsvorschläge.

Von Medienkonsument(inn)en zu Medienmacher(inn)n

Dabei merkten die Kinder, dass das Selbermachen weit schwieriger und aufwendiger ist, als es sich beim Hören oder Sehen eines kurzen, vielleicht 30-sekündigen, Beitrags darstellt. Zu Beginn beschäftigten sie diese Fragen. Welche journalistischen Darstellungsformen gibt es? Welche Form bietet sich für welches Thema an? Welche Hintergrundinformationen brauche ich dafür? Wie recherchiere ich gewissenhaft? Wie schreibe ich die Ergebnisse auf? Wie mache ich die Hörerin und den Hörer sehend? Wie verbessere ich meine Aufnahmen? Wie funktioniert das Aufnahmegerät eigentlich? Wie oft muss ich einen Beitrag noch anhören, umschreiben, anders sprechen, neu aufnehmen? Wie schneide ich ein Audio? Wie kommen jetzt diese ganzen Aufnahmen ins Radio bzw. ins Internet?

Da steckt vielleicht viel Arbeit dahinter!

Diese Erkenntnis begleitete die Kinder. Ihre Beiträge betreuten sie nun aber zunehmend selbstständiger, reflektierten und verbesserten sie gewissenhaft – und sammelten dabei jede Menge Erfahrungen zum Thema Radiomachen. Sie lernten aber auch, genau Hinzuhören und selbstkritisch zu sein. Letzten Endes lohnte sich der Aufwand: Den Kindern – und auch mir – bereitete der gemeinsame Weg hin zum fertigen Audioguide viel Freude und erfüllte uns alle beim Anhören des fertigen Produkts mit großem Stolz.

Kleine Gruppen – große Werke

Da die Kinder in unserem Projekt als eine recht kleine AG zusammenarbeiteten, erlebte ich die Kinder in einer besonderen Kleingruppensituation, die für die Beschäftigung mit der einzelnen Schülerin und dem einzelnen Schüler viel Zeit ließ und eine Vertiefung in ein Thema ermöglichte. Praxisnah war die Beschäftigung mit jedem der Themen allemal – vor allem bei den historischen Themen rund um Kelten und Bajuwaren wussten die Kinder, warum sie sich so intensiv mit einem Thema beschäftigen mussten. War die Recherche oft auch trocken und von Murren begleitet, wollten sie doch für das Interview mit der eingeladenen Archäologin bestens vorbereitet sein. Das hatte laut einer Drittklasskollegin auch positive Auswirkungen auf den Heimat- und Sachunterricht in dieser Jahrgangsstufe.

Medienkompetenz gelernt!

Ob die Kinder nun anders zuhören? Das wage ich so nicht zu beantworten – wahrscheinlich hören sie genauer hin. Und hoffentlich sind sie den Medien gegenüber etwas kritischer geworden, da sie ja erfahren haben, wie viel man mit technischen Mitteln verändern kann. Vielleicht haben sie auch gemerkt, dass der Weg zum „Medienstar“ à la Supertalent kein leichter ist und in erster Linie viel Arbeit dahintersteckt. Das hoffe ich, ist geblieben – wie auch die Audioguides, auf die die Kinder immer wieder zugreifen können und stolz auf „ihre Aufnahmen“ sein können. Ohne eine professionelle Begleitung durch einen Coach wie unseren (vielen Dank liebe Kristina Dumas), der sich sehr engagiert den großen aber auch kleinen Anliegen und Problemen widmete, hätten wir das wohl kaum so gut hinbekommen. Deshalb würde ich ohne einen Coach das Projekt ungern weiterführen.

 

Fazit zu den personellen und technischen Voraussetzungen:

Empfehlenswert sind mindestens vier bis fünf Kinder der Jahrgangsstufen 3 und 4. Pro Lehrkraft maximal 10 bis 12 Kinder, dies auch aufgrund der technischen Anforderungen.

Technische Voraussetzungen: Man benötigt mindestens ein Aufnahmegerät für zehn Kinder. In Übungssituationen, dem Erlernen der Funktionen, der Fragetechnik usw., wäre ein Gerät für vier Kinder sinnvoller, da ansonsten schnell Langeweile und Frustration aufkommt.

Für zwei Schüler sollte ein Computer mit einem Schreibprogramm zum Verfassen von Interviews oder zum Abtippen von Aufnahmen zur Verfügung stehen. Es sollte auch ein geeignetes Schneideprogramm verfügbar sein (wir empfehlen Audacity).

Eine Lehrkraft sollte für maximal zehn Kinder zur Verfügung stehen, wobei eine Wochenstunde meiner Erfahrung nach zu wenig ist. Dazu ist die Betreuung, Hilfe und Koordination durch einen professionellen Redakteur unabdingbar, der neben vielen Mails und Telefonaten sowie dem Abhören, Vorschneiden und Betreuen im Studio mindestens dreimal pro Projekt in die Schule kommen sollte – zudem der Sendername und das Wort „Radio“ wie die Arbeit im Studio die Kinder ungemein motivierte!

 

Eva Obermeier, Lehrerin

 

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Eine Lehrerin erzählt - Grundschule am Schubinweg, Lochhausen

Motiviert und aufgeregt waren wir, die 16 Schülerinnen und Schüler der 3. Klasse der Grundschule am Schubinweg, als wir uns in der „Arbeitsgemeinschaft Klangbaustelle“ gemeinsam mit unserer Lehrerin Frau Vent erste Gedanken rund um das Projekt „München hören“ machten.

Was gibt es hier im Münchener Westen zu entdecken? Welche Geschichten oder gar Geheimnisse gilt es zu lüften? Gemeinsam haben wir Ideen zusammengetragen und relativ schnell Vieles gefunden. Allerdings wurde ebenso schnell klar, dass eine Idee noch lange keinen guten Audio-Guide-Beitrag hergibt. Spannend sollten die Themen sein, so dass man gerne reinhört, oder einfach von der schönen Naturlandschaft erzählen, die es bei uns im Naherholungsgebiet in Lochhausen gibt. Gar nicht so leicht, all diese Vorstellungen in Worte und Geräusche zu packen.

Genau hinhören

Also begannen wir damit, unsere Ohren mit einer kurzen Massage aufzuwecken und bewusst zu hören. Wir schalteten das Radio an, aber was wir da auf einmal wahrnahmen, klang ganz anders, als die Stimmen oder der Gesang eines jeden von uns. Auch hörten wir plötzlich viel mehr Atmo, also Rahmengeräusche.

Diese Erkenntnisse waren unsere erste große Erfahrung. Nun wollten wir auch richtig loslegen und starteten eigene Versuche mit unseren Aufnahmegeräten. Dabei passierte so manch eine Panne, weil das, was man eigentlich aufnehmen wollte, gar nicht drauf war oder vielleicht derselbe Versprecher sich immer wieder an der gleichen Stelle einschlich. Außerdem hörte man seine eigene Stimme – und die klingt über Lautsprecher nun einmal ganz anders, als man das so gewöhnt ist. Uns war also schnell klar, dass wir an dieses immer größer werdende Projekt professionell heran gehen mussten: Ideen konkretisieren, Expert(inn)en suchen, Abläufe der geplanten Audios schreiben, Aufnahmen und Bearbeitung planen.

Guter Plan - schwierig in der Umsetzung

Jetzt waren unsere Coaches wichtig, die wir vom BR gestellt bekamen. So kamen Christian Sachsinger und Klaus Haas zu uns an die Schule, um uns eine Schnelleinführung ins Gestalten von Hörbeiträgen zu geben. Zuerst setzten wir uns genauer mit den Aufnahmegeräten auseinander und probten für den Ernstfall. Denn was konnte Schlimmeres passieren, als dass beim Experteninterview am Ende nichts aufgenommen ist!

Wir legten fest, dass es ein Mikrophonkind, ein Kopfhörerkind, ein Pegelkind und ein Interviewkind geben sollte. Jeder hatte so genau seine Aufgabe, die er konzentriert erfüllen konnte. Als nächstes begannen wir, unsere Ideen zu konkretisieren, und beschränkten uns darauf, drei Beiträge zu erstellen.

Die Zeit im Nacken

Wir suchten und fanden Expertinnen und Experten, vereinbarten Termine und schrieben kurze Drehbücher, um den Ablauf der Audios ein wenig vorzubereiten. Ein Problem war bei all diesen tollen Tätigkeiten die Zeit. Zum einen die der Coaches, die ja vorher immer wissen wollten, wann sie wieder kommen sollten, und die dann auch meist nicht lange da waren.

Viel mehr schränkte uns aber die Tatsache ein, dass wir zwar eine Arbeitsgemeinschaft waren, wir uns in dieser Zusammensetzung aber nur für eine Doppelstunde pro Woche treffen konnten. In dieser kurzen Zeit war eigentlich diese Menge an notwendigen Ausflügen für die Aufnahmen selbst, aber auch für die Produktion im BR zu koordinieren.

Respekt und Kritikfähigkeit

Im Laufe des Projekts konnte jeder neue Seiten an sich entdecken. Aus uns wurden kleine Reporterinnen und Reporter, die munter darauf los plaudern konnten und dabei möglichst wenig geschlossene Fragen stellten. Technisch wussten wir mit der Zeit auch, wann ein Beitrag sich später gut anhören würde und wann an unpassender Stelle auch einmal ein beherztes „Stopp, bitte noch einmal, es hat gezerrt“ angebracht war. Besonders bei der Endproduktion im BR, als wir unseren Beitrag zur Langwiederseenplatte aufnahmen, staunten wir, wie wir uns verändert hatten. Klar, ein Mikrophon war immer noch aufregend, aber wir wussten nach über einem halben Jahr Erfahrung schon recht gut, was man tun muss, damit die eigene Stimme am Ende so klingt, wie wir es vorher besprochen hatten. Respekt und Kritikfähigkeit waren zentrale Fähigkeiten, die wir benötigten, um fair und immer objektiver die Arbeitsergebnisse besprechen und optimieren zu können.

Wir wuchsen immer mehr zu einem kreativen Team zusammen, in das jeder seine Stärken einbrachte. Wichtig war dabei, dass wir tatsächlich alles selbst gemacht haben und dabei auch kompetente Unterstützung durch unsere Coaches hatten. Doch trotz professioneller Hilfestellung sind wir uns einig, dass so ein Projekt nicht jedes Jahr möglich ist und am besten nicht mit einer Arbeitsgemeinschaft stattfinden sollte, da dort die Unterrichtszeit einfach sehr knapp bemessen ist.

Hinter die Kulissen der Medien geblickt

Durch das Projekt haben wir gelernt, dass hinter einem Beitrag, den man so nebenbei im Radio anhören kann, jede Menge Arbeit steckt und dass viel mehr Menschen daran beteiligt sind, als wir vermutet hatten. Neben Reporter(inne)n und Expert(inn)en gibt es da noch die technischen und die redaktionellen Spezialist(inn)en. All diese Bereiche durften wir ausprobieren und selbst erfahren, was dort jeweils an Tätigkeiten anfällt. Wir haben alle großen Respekt davor bekommen, was im Bayerischen Rundfunk nötig ist, damit Audios so klingen, wie wir es gewohnt sind. Unsere Ohren scheinen auch gewachsen zu sein, denn uns fällt das genaue Hinhören nun viel leichter und wir nehmen tatsächlich akustisch mehr war als vorher.

Ein Lächeln zaubert sich in unsere Gesichter, wenn wir an unseren Auftritt auf der großen Bühne am Marienplatz im Rahmen des Stadtgründerfests denken. Es war sehr besonders, dort als Arbeitsgemeinschaft der Grundschule am Schubinweg das Projekt “München hören“ vertreten und vorstellen zu dürfen.

Uns bleiben viele schöne Erinnerungen an eine aufregende Projektzeit, besondere Einblicke rund ums Radio und tolle Audios - und wer weiß, vielleicht wird aus dem einen oder der anderen von uns ja tatsächlich ein Radio-Star von morgen!

 

Christine Vent

 

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Ein Lehrer erzählt - Städtische Carl-Spitzweg-Realschule, Allach-Untermenzing

16 Schülerinnen und Schüler (4 Mädchen, 12 Jungs) der Ganztagsklassen 5g und 6g haben das gesamte Schuljahr 2010/2011 je einen Nachmittag pro Woche an diesem Projekt teilgenommen. Zwei Lehrkräfte standen zur Begleitung und Unterstützung zur Verfügung.

Im Rahmen der jahrgangsübergreifenden Projektangebote der Carl-Spitzweg Realschule wurde das BR-Projekt „München hören“ den Schülerinnen und Schülern vorgestellt und ihre Mitwirkungsbereitschaft abgefragt. 16 Schülerinnen und Schüler meldeten sich zur „AG Radio“. Einige von ihnen nahmen an der Auftaktveranstaltung des Bayerischen Rundfunks teil und stellten anschließend ihre Eindrücke und Erlebnisse der Gesamtgruppe vor. Mit diesem Motivationsschub erkundete die Gruppe an mehreren Nachmittagen ihren Stadtteil Allach/Untermenzing und nahm ihn genauer unter die Lupe: Was ist hier für Kinder und Jugendliche interessant? Was ist berichtenswert?

Von Hundesalon bis Flusslandschaft

Bei ihren Recherchen ist die Radio AG unter anderem auf einen Hundesalon gestoßen. Weiterhin entdeckten sie einen naturnahen Flussabschnitt der Würm sowie einen spannenden Spiel- und Aktionsraum für Kinder und Jugendliche. Im Allacher Forst fanden sie einen Klassenraum im Grünen vor. Über diese „Funde“ sollte nach Meinung der Schülergruppe berichtet und Audios erstellt werden.

Das eigene „Radiomachen“ war anfangs sehr motivierend, die eigentliche „Arbeit“, die dahinter steckt, zum Teil ernüchternd. Zahlreiche Motivationsschübe der begleitenden Betreuer(innen) waren nötig.

Üben üben üben

Die Schule stellte der AG Radio zwei Aufnahmegeräte zur Verfügung, mit denen zunächst „Trockenübungen“ im Schulgebäude gemacht wurden, zum Beispiel ein Geräuscherätsel „Wie tönt die Schule?“ oder Umfragen wie„Was machen eigentlich Lehrerinnen und Lehrer in der Pause?“

Nach anfänglichen technischen Problemen mit dem Aussteuern der Aufnahmen, gelangen diese zunehmend besser. Neben diesen Übungen wurde auch inhaltlich in den einzelnen Arbeitsgruppen gearbeitet. „Worüber wollen wir eigentlich berichten? Was ist das Spannende daran? Wen wollen wir als Expert(inn)en interviewen? Müssen wir überhaupt alle Ideen und Fragen schriftlich festhalten?“

Für das „Radiomachen“ im Allgemeinen und der eigentlichen Produktion der Hörstücke im Besonderen stand uns der erfahrene Radioprofi, Klaus Haas vom Bayerischen Rundfunk, mit Rat und Tat zur Seite. Ein Coach ist vor allem im ersten Jahr, gerade für die Begleitung und Durchführung eines so nicht alltäglichen Projektes, notwendig!

Interviews machen und die Technik betreuen - Jede Fähigkeit ist wichtig

Mit Mikrofon und Aufnahmegerät in der Hand, entdeckt man einige Talente in der Schülergruppe, die unbefangen und mutig auf Personen zugehen können und diese befragen. Auch bei den Passant(inn)en stießen die Interviewenden auf wohlwollende Neugier und Unterstützung. „Spannendes Projekt, was ihr an eurer Schule macht!“ Häufig wurde zu viel erzählt, was später beim Schnitt der Beiträge große Mühe machte. „Was ist informativ? Wollen unsere Zuhörer(innen) das überhaupt wissen? Was nehmen („kaufen“) wir? Was lassen wir weg?“

Diejenigen Schüler(innen), denen das Ansprechen von ihnen fremden Personen suspekt war, machten sich als Aufnahmeleiter(innen) und Tontechniker(innen) verdient.

Medien selber machen ist schwerer als gedacht

Die Teilnahme an einem Projekt wie „München hören“ verlangt viel Ausdauer, Geduld und Mitwirkungsbereitschaft seitens der Schülergruppe. Häufig kollidiert dies mit der vermeintlichen Wahrnehmung der Medien im Alltag dieser Altersgruppe: Radio oder Fernsehen – alles easy und locker….das machen wir mal so nebenher. „Drehbücher“ schreiben für die Interviews und die Auswertung der Befragungen – das ist ja wie Deutschunterricht, kein Bock...

Grenzen des Projektes „München hören“

Die Mitwirkungsmöglichkeiten einer Schülergruppe im Alter von 11 – 12 Jahren waren beschränkt. Sie konnten gut bei der Auswahl der Projektideen und der Themenfindung vor Ort im Stadtteil beteiligt werden. Mit Begeisterung führten sie die Umfragen und Interviews durch. Bei den Reportagen fehlte ihnen zum Teil der Wortschatz für eine lebendige Beschreibung der Situation vor Ort. Die etwas mühselige Auswertung und Dokumentation der Aufnahmen fiel ihnen sichtlich schwer. Eine Bearbeitung der Audiofiles ist mit Kindern dieses Alters kaum möglich. Das „Putzen“ der Aufnahmen, der Schnitt der Hörstücke ist von den Lehrkräften und insbesondere von dem begleitenden Coach geleistet worden. Der damit verbundene Zeitaufwand muss daher bei einem Projekt dieser Art berücksichtigt werden.

Was ist geblieben – wie geht es weiter?

Die vorhandenen digitalen Aufnahmegeräte werden zukünftig für weitere Schulprojekte genutzt, zum Beispiel bei Aufnahmen von PoetrySlams oder Schülerradio. Eine technische Einweisung kann von den beteiligten, nun erfahrenen Schülerinnen und Schülern übernommen werden.

Trotz des Zeitaufwandes hat mich dieses Projekt begeistert, meine Schülerinnen und Schüler habe ich mit ihren Talenten kennen- und schätzen gelernt. Persönlich höre ich nun genauer bei den Radiosendungen hin: Wie sind die Einleitungen, die Übergänge und der Schluss eines Beitrages „gebaut“?

Viele Kompetenzen und Fähigkeiten wurden im Laufe des Projektes erworben:

  • Die Schülerinnen und Schüler entdeckten interessante Orte und Personen im Umfeld der Schule.
  • Sie haben mehr Sprachkompetenz erworben.
  • Sie haben gelernt, gezielt Fragen zu entwickeln und zu stellen.
  • Sie lernten, aktiv zuzuhören.
  • Sie lernten projektübergreifende Teamarbeit, Projektentwicklung und Umsetzung eines Projektes.
  • Sie erwarben und erweiterten ihre Medienkompetenz.

Die Intensität und Attraktivität eines Medienprojektes dieser Art prägte die Gruppe. Nach erfolgreichem Abschluss war ein gewisser Stolz bei ihnen zu spüren, wir haben es geschafft, unser Ergebnis ist im Internet zu hören….

 

Fazit zu personellen und technischen Voraussetzungen:

  • Maximal 14-16 Schülerinnen und Schüler sollten in einer Gruppe sein.
  • Sie sollten zwei Lehrkräfte als Begleitung haben sowie einen Mediencoach.
  • Ein Projektnachmittag bzw. drei Schulstunden pro Woche sollten eingeplant werden.
  • Ideal sind zwei digitale Aufnahmegeräte (z.B. Zoom Q3) und ein Laptop mit Schnittsoftware (Audacity Beta Version).
  • Es braucht viel Geduld und Motivationsvermögen seitens der Lehrkräfte und Mut, neue Wege zu gehen
  • Die Unterstützung durch die Schulleitung ist vonnöten.
  • Man muss mit einem hohen Zeitaufwand bei der Vorbereitung und Durchführung des Projektes rechnen.
  • Grundlegende Kenntnisse und Erfahrungen der Aufnahmetechnik und Schnittsoftware seitens der Lehrkraft sind wünschenswert.
  • Die fachliche Unterstützung durch den Bayerischen Rundfunk und das Pädagogische Institut (im Rahmen von Auftaktveranstaltung, Fortbildungen) und die tatkräftige Begleitung durch einen Mediencoach sind hilfreich.
  • Toll ist eine attraktive Abschlussveranstaltung als Anerkennung für alle Mitmacher(innen).

 

Michael Kunze

 

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Eine Lehrerin erzählt - Städtische Riemerschmid-Wirtschaftsschule, Altstadt

Die Riemerschmid-Wirtschaftsschule ist eine Mädchenschule. Am Radioprojekt hat eine 9. Klasse mit 21 Schülerinnen teilgenommen. Die Klasse hat blockweise von Januar bis April an den Texten und der Fertigstellung der Audios gearbeitet.

Themenfindung: „Zwischen früher und heute“

Die Klasse startete das Projekt mit einer sorgfältigen Klärung des eigentlichen Auftrags. Denn jede Schülerin hatte zuerst eher "Geschichtliches" im Kopf für diesen Audioguide durch ihren Stadtteil, aber es sollte doch um Menschen im "Hier und Jetzt" gehen.

Die Themenfindung war mit Brainstorming und ersten Inhalten sehr umfangreich und schließlich wählten sich die fünf Gruppen unterschiedliche Themen aus dem zusammengetragenen Themenpool aus, damit die Produktion möglichst abwechslungsreich werden würde. Später bei der Bearbeitung und Umsetzung der Hörbeiträge stellte sich diese Entscheidung  als sehr sinnvoll heraus, denn die Gruppen berieten sich gern gegenseitig und waren neugierig auf die Umsetzungsideen der anderen.

Die Themen: der Viktualienmarkt, der Wandel der Riemerschmid-Wirtschaftsschule von früher zu heute, Restauranttester, das Filmtheater am Sendlinger Tor, Tourismus in der Innenstadt.

Planung mit Weitblick

Das Besondere für die Schülerinnen war die selbstverantwortliche Redaktion und das Erstellen des Beitrags sowie der Umgang mit neuen Techniken und der Schnitt des Beitrags am PC mit der Schnittsoftware. Nach den Coaching-Terminen wurde fleißig an den Beiträgen gefeilt, und es wurden die Hinweise der Coaches mit eingearbeitet. Damit so ein lang andauerndes Projekt zum Erfolg führt, braucht es im Hintergrund jedoch die Begleitung durch die Lehrkraft. Schließlich benötigt es eine Menge Organisation, die die Schülerinnen nicht verantworten können, wie z.B. notwendige Arbeitszeiten auch außerhalb der Schule zu klären sowie die Anschaffung der Technik u.v.a.

Selbstständiges Arbeiten als Motivationsfaktor

Die Zeitverantwortung über vier Monate zusätzlich zur inhaltlichen Gestaltung für ein mehrteiliges und umfassendes Projekt war für diese 9. Klasse eine komplett neue Erfahrung - die einerseits viele Freiheiten für die Gruppen bot, doch andererseits die Kontrolle des Fortschritts nötig machte. Der Lernprozess ist durch die Handlungsorientierung bei diesem Projekt deutlich unterstützt und positiv zu bewerten. Die Verknüpfung zum eigentlichen Curriculum ist dabei auch wichtig und wird - wie die Organisation - von der Projektleitung geleistet.

Fazit zu den personellen und technischen Voraussetzungen:

Die 21 Schülerinnen haben in fünf Gruppen à vier bis fünf gearbeitet. Technik und Software wurden von der Schule angeschafft. Die Projektleitung hatte eine Lehrerin, Heidemarie Valentiner.

Fazit

Die Schülerinnen wuchsen mit der Projektzeit an ihren Aufgaben. Das Sozialverhalten wurde über den schulischen Rahmen hinaus gefördert und sicher wirkt eine solche "Klassenerfahrung" nachhaltig für mehrere Schuljahre. Alle Schülerinnen der 9v waren auf ihre Produkte mächtig stolz und präsentierten diese mit Feuer und Flamme bei der Abschlussveranstaltung im Bayerischen Rundfunk im Juli 2010.

 

Heidemarie Valentiner

 

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